Allgemeinwissen ist wichtig.

Experte vs. Generalist?

Ist der "Experte" wirklich alternativlos in einer hochspezialisierten Welt? Und hat der Generalist, der "Allgemeinwissende", wirklich ausgedient? Mehr denn je spielen diese Fragen eine Rolle, denn mit den Antworten sind auch verbunden die Mündigkeit einer jeden einzelnen Person und auch der Auftrag, den die Schule - und mit ihr ein jeder Lehrer - hat.

 

Der deutsche Philosoph Max Horkheimer hat sich unter anderem mit der Frage nach dem "Expertentum" kritisch auseinandergesetzt. Sinngemäß und vereinfacht lassen sich Horkheimers Gedanken diesbezüglich so zusammenfassen:

 

Ein Experte muss auch über den Tellerand des eigenen Fachgebietes schauen, und dabei im Blick haben die Wirkungen und Effekte seines wissenschaftlichen Tuns. Horkheimer spricht dem Experten damit eine Verantwortung zu, die über dessen eigenes Fachgebiet hinausreicht. Diese Überlegung scheint womöglich selbstverständlich. Ist sie aber nicht. Man vergegenwärtige sich beim Blick in die dunklen Kapitel der Geschichte beispielsweise das "Expertentum" einzelner Protagonisten in den verschiedenen Wissenschaften.

 

Eine andere Überlegung, die Max Horkheimer anstellt, ist die Folgende: Nicht nur der "Experte" darf und muss über den eigenen Tellerrand schauen. Ein jeder Mensch im Alltag sollte demnach seinen Horizont erweitern können und erweitern dürfen. Auch diese Überlegung ist alles andere als trivial, und es bedarf hier sogar keines Blickes in die Vergangenheit, um zu erkennen, dass noch heute in manchen Ländern der Zugang zu Schule und Bildung verwehrt wird.

Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass ein jeder sich für Themengebiete interessieren darf, die über sein originäres berufliches Feld und/oder sein persönliches soziales Umfeld hinausreichen. Denn: Wenn man beispielsweise sein Denken allein auf sein Arbeitsgebiet ausrichtet, und man sich im Fall anderer Themenfelder nurmehr auf die Meinungen von "Fachleuten" verlässt, reduziert man seinen eigenen Horizont auf schmale Breite.

 

Max Horkheimer weist darauf hin: Der Experte, der sich allein für sein eigenes Fachgebiet verantwortlich fühlt, und der Durchschnittsbürger, der nicht wagt über den Tellerrand zu schauen, haben eins gemeinsam: Beide schränken sich ein, und beide geben Verantwortung ab. In der Folge entsteht eine Art "Schmalspurigkeit" im Denken beider Personengruppen.

 

Vor diesem Hintergrund sind Äußerungen mancher TV-Moderatoren mit Vorsicht zu genießen, die im Gespräch mitunter lauten ( etwa wenn ein Studiogast beispielsweise inhaltlich etwas weiter ausholt): "Ja, da stoppen wir jetzt lieber einmal. Denn wir wollen unsere Zuschauer nicht überfordern".

 

Schule und Unterricht kommen im Hinblick auf all diese Aspekte maßgebliche Bedeutungen zu: Denn "man erntet, was man sät." Und es ist wichtig, dass die Inhalte der unterschiedlichen Fächer auch im Rahmen fachübergreifender Projekte transportiert werden; so dass junge Menschen in die Lage versetzt werden, interdiziplinäre Querverbindungen zu erschließen. Dies gilt auch, und vor allem, für die Schülerinnen und Schüler der Sekundarschulen, denn insbesondere junge Lerner haben eine hohe Sensibilität für grundlegende Zusammenhänge, und man darf ihnen diese nicht vorenthalten.


Expert vs. Generalist?

Is the "expert" really without alternative in a highly specialized world? And has the generalist, the "generalist", really had his day? More than ever before, these questions play a role, because the answers are linked to the maturity of each individual person and also to the mission that the school - and with it each teacher - has.

The German philosopher Max Horkheimer, among others, has critically examined the question of "expertise". Horkheimer's thoughts can be summed up in a logical and simplified way:

An expert must also look beyond the boundaries of his or her own field of expertise, and in doing so must keep in mind the effects and effects of his or her scientific activities. Horkheimer thus assigns the expert a responsibility that goes beyond his own field of expertise. This consideration might seem obvious. But it is not. When looking into the dark chapters of history, one might, for example, consider the "expertise" of individual protagonists in the various sciences.

Another consideration that Max Horkheimer makes is the following: Not only the "expert" can and must think outside the box. Every person in everyday life should therefore be able and allowed to broaden his or her horizon. This consideration is also anything but trivial, and it does not even require a glance into the past to see that even today in some countries access to school and education is still denied.

It is important to be aware that everyone is allowed to take an interest in topics that go beyond their original professional field and/or their personal social environment. Because: If, for example, you orientate your thinking solely towards your field of work and, in the case of other subject areas, you only rely on the opinions of "experts", you reduce your own horizon to a narrow width.

Max Horkheimer points this out: The expert who feels solely responsible for his own field of expertise and the average citizen who does not dare to think outside the box have one thing in common: Both limit themselves and both delegate responsibility. As a result, a kind of "narrow-mindedness" develops in the thinking of both groups of people.

Against this background, statements made by some TV presenters should be treated with caution, as they sometimes say (e.g. when a studio guest takes a broader view of the content): "Yes, we'd better stop there. Because we do not want to overtax our viewers".

School and teaching have a decisive signi-ficance with regard to all these aspects: Because "you reap what you sow". And it is important that the contents of the different subjects are also transported in the context of interdisciplinary projects; so that young people are enabled to develop interdisciplinary cross-connections. This also applies, and above all, to secondary school pupils, because young learners in particular have a high sensitivity for fundamental connections, and these should not be withheld from them.