Ein Für die Wertschätzung

Ein Wort mit 7 Buchstaben: Respekt

Das Wort „Respekt“ macht nun schon seit einigen Jahren die Runde, besser gesagt: die Runden - in Schulen und im Sport, in Talkshows und in Parlamenten. Es wird entsprechend in einer Vielzahl verschieden-ster Zusammenhänge verwendet. So legen beispielsweise Lehrer ihrern Schülern mehr Respekt nahe. Politiker bitten Entschei-dungen zu respektieren. Und Vereine und und Verbände inkludieren eine schier undend-liche Zahl an Projekten und Vorhaben unter diesem Begriff, der sogar von der Werbe-industrie aufgegriffen und verwendet wird.

 

Wie kommt es, dass dieses Wort es in den vergangenen Jahren gschafft hat, sich derart zu verbreiten?

 

Vermutlich findet sich der Ausgangspunkt, wie so oft, in Übersee. In Film und Fernsehen, in der Fachliteratur und in der Musik wurde und wird es medial vielfach tranportiert und hat seine festen Plätze in den oben beschriebenen Kontexten gefunden.

 

Dass eine Lehrerin den Neuntklässler zwischen Türrahmen, beide hälftig im Raum und auf dem Flur stehend, lautstark rügt: „Nun hab gefälligst mehr Respekt!“ wird entsprechend wohlwollend, gestützt auf das breite Fundament oben beschriebener Kontexte, auch von vielen anderen Kollegen zur Kenntnis genommen und nicht selten mit dem Satz kommentiert: „Sie macht endlich mal eine klare Ansage an den Jungen!“. Dass ein Neuntklässler sich auch nach solch einer „Ansage“ nicht immer „respektvoll“ verhält, wird teils mit Bedauern, teils mit Befriedigung  zur Kenntnis genommen - die Ursache dafür wird aber weniger dem Begriff „Respekt“ und seiner situativen Verwendung als vielmehr dem jugendlichen Lerner selbst zugeschrieben; man sieht sein Urteil bestätigt, woraus sich eben auch die Befriedigung speist. Dazu später mehr ... .

 

Im Fahrwasser entstehen Strömungen

 

Modewörter aus dem Amerikanischen gibt es zahlreich.Wellen gleich schwappen sie über den Atlantik nach Europa. Eines haben diese Begriffe oftmals gemeinsam: Sie sind in der Wortlänge kurz. Sie sprechen sich leicht aus. Und sie hören sich „knackig“ und "cool" an. Und dies nicht nur in den Ohren deutscher, französischer und ander europäischer Jugendlicher. In Asien beklagen sich mongolische und vietnamesische Eltern und Großeltern zunehmend, dass ihre Kinder immer mehr englischsprachige Begriffe und Abkürzungen verwenden. Und dass in Frankreich englischsprachige Voakabeln von Amts wegen einer eingehenden Prüfung unterzogen werden, ist gemeinhin bekannt.

Diese Begriffe sind, um ein anderes Bild zu nutzen, wie Frachter: Sie transportieren ganze Containlerladungen voller Konnotationen, Ideen und Konzepte ... und in ihren Fahrwassern entstehen neue Strömungen, Haltungen, Konzepte, ... . Diese wiederum werden kommuniziert in Medien und Seminaren, in Fortbildungen und Unterricht.

 

Längere Begriffe und Umschreibungen und auch Wörter, die einen Sachverhalt eher umständlich aufzuklären mögen, eignen sich als Frachter, geschweige denn als Frachgut, entsprechend wenig. Dass sie sich oftmals weniger gut aussprechen lassen, gereicht ihnen weiterhin zum Nachteil.

 

Wiederum andere Begriffe, die einen Sachverhalt vielleicht sogar noch viel treffender skizzieren, eignen sich womöglich ebenfalls nicht - denn ein bereits treffender Begriff bedarf keiner weiteren Erklärung mehr, lässt sich also konzeptionell womöglich weniger füllen (vermarkten?).

 

Überhaupt ist das Wort sehr "geschichts-trächtig" - es ist über 2000 Jahre alt, und seine Wurzeln finden sich in der lateinischen Sprache. Diesem, seinem eigentlichen Ursprung nach, handelt es sich um das Verb „respectare“, das soviel wie „zurückblicken“ bedeutet - damit wird interessanterweise weniger etwas Statisches, etwas Gegebenes, in „Beton Gemeißeltes“ intendiert, vielmehr eine Dynamik, ein aktiver Vorgang, der eine zeitliche und eine reflektierende Dimension einschließt.

 

Ein anderes Wort, das die deutsche Sprache kennt, ist das Wort „Wertschätzung“. Ins Englische übersetzt, lautet der Begriff „appreciation“. Diese Übersetzung trifft die Bedeutung des deutschen Wortes nicht haargenau, eignet sich aber ebenfalls einigermaßen passabel für einen folgenden Vergleich mit dem Wort „Respekt“.

Es stellt sich die Frage, ob die umfangreiche Verwendung des Wortes „Respekt“ nicht auch aus folgenden Gründen erfolgt:

  • ·         Es ist praktikabal.
  • ·         Es ist kurz.
  • ·         Es hat einen schneidigen Klang.

Mit minimalem Einsatz, so die Hoffnung, erzielt man den maximalen Gewinn. Dieses Gesetz der Ökonomie, so die möglicherweise bewusste - wahrscheinlich aber eher unbewusste - Erwartung, lässt sich eben auch durch seine Verwendung in pädagogischen Kontexten umsetzen.


One word, 7 letters: respect

The word "respect" has been making the rounds, or rather the rounds - in schools and in sports, on talk shows and in parliaments. It is used accordingly in a wide variety of different contexts. Teachers, for example, encourage their students to show more respect. Politicians ask decisions to be respected. And clubs and associations include an almost infinite number of projects and plans under this term, which is even taken up and used by the advertising industry.

How is it that this word has managed to spread so much in recent years?

Presumably, as is so often the case, the starting point is overseas. In film and television, in specialist literature and music, it has been and is often transported by the media and has found its permanent place in the contexts described above.

The fact that a teacher loudly rebukes the ninth-grader between door frames, both half in the room and half standing in the hallway: "Now have more respect!" is correspondingly taken note of by many other colleagues, supported by the broad foundation of the above described contexts, and often commented with the sentence: "She finally makes a clear announcement to the boy! The fact that a ninth-grader does not always behave "respectfully" even after such an "announcement" is partly noted with regret, partly with satisfaction - the reason for this is, however, attributed less to the term "respect" and its situational use, but rather to the young learner himself; one sees his judgement confirmed, from which the satisfaction is also fed. More on this later ... .

Currents are created in the fairway

There are many buzzwords from the American world, and as waves they are about to sweep across the Atlantic to Europe. These terms often have one thing in common: They are short in word length. They are easy to pronounce. And they sound "crisp" and "cool". And this not only in the ears of German, French and other European young people. In Asia, Mongolian and Vietnamese parents and grandparents are increasingly complaining that their children use more and more English terms and abbreviations. And it is common knowledge that in France, English-speaking voacables are subject to a thorough examination ex officio.

To use a different picture, these terms are like freighters: they transport entire container loads full of connotations, ideas and concepts ... and in their fairways new currents, attitudes, concepts, ... . These in turn are communicated in media and seminars, in further training and teaching.

Longer terms and paraphrases and also words that may clarify a matter in a rather complicated way are not suitable as freighters, let alone as cargo. The fact that they are often less pronounceable is still to their disadvantage.

Other terms, which may even sketch the facts of a case even more accurately, may not be suitable either - because a term that is already apt does not require any further explanation, so it may be less easy to fill (market?).

In general, the word is very "historical" - it is more than 2000 years old and its roots can be found in the Latin language. According to its actual origin, it is the verb "respectare", which means "to look back" - interestingly enough, the intention is not so much something static, something given, chiseled into "concrete", but rather a dynamic, an active process that includes a temporal and a reflective dimension.

Another word that is familiar in the German language is the word " die Wertschätzung". Translated into English, the word is "appreciation". This translation does not exactly match the meaning of the German word, but it is also reasonably suitable for a following comparison with the word "respect".

The question arises whether the extensive use of the word "respect" is not also due to the following reasons:

  •     It is practical.
  •     It is short.
  •     It has a dashing sound.

It is hoped that the maximum profit will be achieved with the minimum amount of effort. This law of economy, so the possibly conscious - but probably rather unconscious - expectation, can also be implemented by its use in educational contexts.