Evidenzen der Furcht als Mittel zur Legung von Schienensträngen

Die erfundene Angst vor der Geschwindigkeit

Im Unterricht der Mittelstufe wird im Fach Geschichte unter anderem die Industrialisierung behandelt. Gemeinsam mit ihren Schülern widmen sich die Lehrer in diesem Zusammenhang gerne der ersten Eisenbahnstrecke in Deutschland, die im Jahr 1835 zwischen den beiden Städten Nürnberg und Fürth eröffnet wurde. Es ist ein besonderes Ereignis. Und ein Meilenstein in der Geschichte der Mobilität.

 

Eine besondere Freude für die Lehrer und die Schüler ist das Lesen der Berichte von damaligen Augen- und Ohrenzeugen; Auszüge dieser Erzählungen finden sich jeweils in den unterschiedlichen Lehrwerken, die das Thema behandeln.

 

Nicht alle Menschen waren damals spontan begeistert von der neuen technischen Errungenschaft und beurteilten sie skeptisch. Angeblich sei sogar vor der "Eisenbahnkrankheit" gewarnt worden; ein Leiden, hervorgerufen von der Geschwindigkeit der Bahn.

Hinsichtlich der Echtheit dieser Warnung (und auch hinsichtlich der Echtheit der diesbezüglichen Furcht mancher Zeitgenossen) herscht indes Uneinigkeit unter Historikern - möglicherweise handelt es sich um eine erfundene, um eine in den Mund gelegte Angst vor dem Tempo des neuen Verkehrsmittels. Als vermeintlicher Beleg einer Technikfeindlichkeit des ein oder anderen Zeitgenossen? Und als Mittel, um nachdenkliche Einwände im Rahmen der Einführung neuer Techniken im Keim zu ersticken? Denn wer möchte schon als "technikfeindlich" oder "rückständig" dargestellt werden ... .

 

Rum wie num: Allemal ist es spannend, dass sich eine Technikdiskussion an der Geschwindigkeit festmacht. Und es ist genau dieser Punkt, der Lehrer und Schüler jeweils schmunzeln lässt. Denn die rund 30 Kilometer pro Stunde der ersten Eisenbahn wirken im Zeitalter der Flugzeuge und Autos, des Internet und der Smartphones sehr gemächlich und langsam; gerade auch für den jugendlichen Betrachter - und für den betagteren Betrachter ebenso :-).


The invented fear of speed

In the history class at the middle school, industrialisation is one of the subjects covered. In this context, the teachers, together with their students, like to devote themselves to the first railway line in Germany, which was opened in 1835 between the two cities of Nuremberg and Fürth. It is a special event. And a milestone in the history of mobility.

It is a special pleasure for the teachers and the pupils to read the reports of eye- and ear-witnesses of that time; excerpts of these stories can be found in the various textbooks dealing with the subject.

Not everyone was spontaneously enthusiastic about the new technical achievement at the time and judged it sceptically. Allegedly, there had even been warnings of "railway sickness", a condition caused by the speed of the railway.

However, there is disagreement among historians as to the authenticity of this warning (and also as to the authenticity of some contemporaries' fears in this regard) - perhaps it is an invented fear, a fear put into the mouth, of the speed of the new means of transport. As supposed evidence of a hostility to technology on the part of one or the other contemporary? And as a means of nipping thoughtful objections in the bud when new technologies are introduced? Because who wants to be portrayed as "anti-technology-hostile" or "backward" ... .

"Rum wie num": It is always exciting that a discussion of technology is based on speed. And it is precisely this point that makes teachers and students smile. Because in the age of airplanes and cars, the Internet and smartphones, the roughly 30 kilometers per hour of the first railway seem very leisurely and slow; especially for the young viewer - and for the elderly viewer as well :-).