Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund

Ein Fingerzeig auf das Bild

Das deutsche Wort "Bildung" ist ein spannendes Wort, das ein Alleinstellungsmerkmal in vielerlei Hinsicht hat: semantisch, kulturell, wirtschaftlich und politisch, ... .

Verwandte Wörter des Begriffs sind beispielsweise das reflexive Verb "sich bilden", sowie das Adjektiv "gebildet". Und natürlich das Substantiv: "das Bild".

 

Was ist das Kennzeichen eines "typischen" Bildes"?

  • Ein Bild hat oftmals einen Vordergrund.
  • Es hat einen Mittelgrund.
  • Und es gibt einen Hintergrund.

Bilder haben oftmals verschiedene Details. Sie sind handwerklich unterschiedlich erstellt: gemalt, skizziert, gezeichnet. Manche Bilder sind allein in schwarz-weiß, andere Bilder sind farbenvielfältig.

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht immer direkt auffällt: Die Elemente eines Bildes stehen oft miteinander in Beziehung; sie bedingen einander, beeinflussen sich gar. 

 

Der Prozess des Verstehens all dieser Zusammenhänge, das Erkennen der Details eines Bildes, das Interpretieren und das Kontextualisieren ... all dies sind Prozesse, die sich unter dem Begriff "Erkenntnisgewinn" subsumieren lassen können; idealerweise einem Lernen im ganzheitlichen Sinn. Und die Wurzeln des Begriffs "Bildung" sind eben unter anderem auch auf diese Begenheiten zurückzuführen. Und "Bildung" ist damit, wenn man ihn ernsthaft meint, ein ganzheitlicher Prozess.

 

Ehedem hat ein Freund eine Fotoaus-stellung in einer Schule in einem asiatischen Land organisiert. Auf den Bildern waren Landschaften zu sehen, Portraits, Alltagsgegenstände und vieles mehr.

Die Jugendlichen und auch die Lehrer waren von den Bildern sehr begeistert. Spannend war zu beobachten, wie sich die Schülerinnen und Schüler verhielten, als sie vor den Bildern standen: Viele fassten die Oberflächen der Fotografien an und strichen mit den Fingern darüber hinweg. Andere zeigten ihren Freunden einzelne Details auf den Bildern und legten vorsichtig ihren Zeigefinger auf einzelne Stellen der jeweiligen Fotografien.

 

Normalerweise ist das Anfassen und Berühren von Fotos, von Bildern nicht erlaubt. In Museen ist es sogar ausdrücklich verboten; und Hinweisschilder machen extra darauf aufmerksam. Dem Freund, der viel Arbeit in die Vorbereitung der Ausstellung(en) investiert hatte, störte dies Verhalten aber nicht. Zum einen, weil die jungen Leute tatsächlich sehr behutsam die Bilder anfassten. Zum anderen, weil dieses Verhalten faszinierend ist, denn: Die Jugendlichen wollten sich im wahrsten Sinne des Wortes "ein Bild machen" und die Fotos nicht nur verstehen, sondern auch "begreifen".

 

Bildung ist viel mehr als einfach "nur" Lernen. Bildung ist beides zugleich: Eine Hingabe an das Detail, bei gleichzeitiger Vorliebe für das "Große und Ganze". Um "sich ein Bild machen zu können", muss man auf Einzelheiten achten und nahe an das "Werk" herantreten; es auch be-greifen. Zugleich muss man auch einen Schritt zurückgehen - der Perspektivenwechsel ist unabdingbar. Und man darf und muss sich auch für viele Fachbereiche interessieren: die Farbenlehre, die Lehren der Geschichte, die Zeit, die Mathematik, die Physik, und, und, und. . Und dann hat man eine Chance, auch "Lagebilder" entsprechend zu interpretieren.

 

Womöglich haben junge Menschen genau diese Fähigkeiten des "dynamischen Erkenntnisgewinns" in weitaus höherem Maße; so werden es womöglich sie sein, die auch zukünftig auf markante Stellen in mancherlei Bildern mit dem Finger zeigen.


A finger pointer to the image

The German word "Bildung" is an exciting word that has a unique selling point in many respects: semantic, cultural, economic and political, ... .

Related words of the term are for example the reflexive verb "to form", as well as the adjective "educated". And of course the noun: "the image" (in German language: "das Bild").

What is the characteristic of a "typical" image"?

  •     A picture often has a foreground.
  •     It has a middle ground.
  •     And there is a background.

Images often have different details. They are created in different ways: painted, sketched, drawn. Some pictures are alone in black and white, other pictures are colourful.

Even if it is not always immediately obvious at first glance: the elements of a picture are often interrelated; they condition each other, even influence each other.

The process of understanding all these connections, recognizing the details of a picture, interpreting and contextualizing them ... all these are processes that can be subsumed under the term "gaining knowledge"; ideally, learning in a holistic sense. And the roots of the term "education" can also be traced back to these conditions. And "education" is thus, if you mean it seriously, a holistic process.

A friend of mine once organized a photo exhibition in a school in an Asian country. The pictures showed landscapes, portraits, everyday objects and much more.

The young people and also the teachers were very enthusiastic about the pictures. It was exciting to observe how the pupils behaved when they stood in front of the pictures: Many touched the surfaces of the photographs and stroked them with their fingers. Others showed their friends individual details on the pictures and carefully placed their index finger on individual parts of the respective photographs.

Normally, touching and touching photos, pictures, is not allowed. In museums it is even expressly forbidden; and signs draw extra attention to it. The friend, who had invested a lot of work in the preparation of the exhibition(s), did not mind this behaviour. On the one hand, because the young people actually touched the pictures very carefully. On the other hand, because this behaviour is fascinating, because: The young people literally wanted to "take a picture" and not only understand the photos, but also "grasp" them.

Education is much more than "just" learning. Education is both at the same time: a devotion to detail, with a simultaneous preference for the "big picture". In order to "get an idea", one must pay attention to details and get close to the "work"; one must also grasp it. At the same time, one must also take a step back - a change of perspective is essential. And one may and must also be interested in many disciplines: the theory of colours, the teachings of history, time, mathematics, physics, and so on. And then you have a chance to interpret "situation pictures" accordingly.

It is possible that young people have precisely these abilities of "dynamic knowledge gain" to a far greater extent; so it will probably be they who will continue to point their finger at prominent places in many a picture in the future.